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Dr. Dietmar Schuth - Kunsthistoriker
Kunstverein Heidelberg zur Ausstellung "Die Sicht der Dinge", Worms 1995:

Ich glaube Theo Greiner fühlt sich in der menschenleeren Natur am wohlsten. Vielleicht hätte er auch gerne in einer anderen Epoche gelebt? Man spürt, wie er sich in der italienischen Frührenaissance wohl gefühlt hätte, in einer Zeit, die die strengen Regeln der Kirche überwand und die Natur für sich entdeckte. Eine Kunstepoche, die sich den Erscheinungen der Wirklichkeit spielerisch näherte. Perspektive und Raumillusion rein empirisch ausprobierte und noch keine mathematischen Gesetze kannte wie die Hochrenaissance......


Aber er selbst bekennt sich ganz bewußt zu dieser Naivität, und steht damit ein einer großen Tradition. Denken wir nur an die Romantiker, die Nazarener insbesondere, die sich lieber an den naiven Meistern der Frührenaissance orientierten als an Raffael und Leonardo.....

Der passendste Vergleich ist sicherlich die Neue Sachlichkeit der 20er Jahre unseres Jahrhunderts. Auch hier wurde die Isolation des Menschen in einer allzu rationalen und modernen Welt durch einen naiven Blick auf die banalen Dinge unserer Welt sichtbar gemacht. Und ich denke, Theo Greiner, hat ein gutes Recht, daran zu erinnern und am Ende unseres Jahrhunderts auf eine andere "Sicht der Dinge" hinzuweisen.....

Dr. Dietmar Schuth - Kunsthistoriker
Kunstverein Heidelberg anläßlich der Ausstellung "Theo Greiner und Dag Seemann", Kunstverein Leimen, 1995:

Theo Greiner schleicht sich sehr subtil in unser Realitätsbewußtsein, tangiert unsere unbewußten Ängste und Aggressionen, die wir voller Mißtrauen in seine Bilder hineinprojezieren. In diesem Sinne ist auch der Titel "Ein-Bildungen" zu verstehen. Greiner schafft keine Abbilder von der Wirklichkeit, sondern eingeprägte Vorstellungen, Imaginationen und Visionen.....

So erklärt sich auch der zuweilen phantastische und naive Stil dieser Bilder. Die innere Einbildung färbt sich im Licht der Phantasie, färbt die Farben der Realität in ein oft märchenhaftes Kolorit. Auch die Formen erscheinen aus der Erinnerung nur noch schemenhaft und kubistisch reduziert. So entsteht ein psychisch durchdrungenes Bild der äußeren Welt, die Welt wird zum Traum und der Traum wird im Malvorgang wieder zur Welt.

Nicht immer ist diese Welt bedrohlich oder unangenehm. In vielen Bildern Greiners spürt man auch romantische Stimmungen, Frieden und die Schönheit der Natur, besonders da wo die Menschen keine Spuren hinterlassen haben. Ob Greiner diese friedliche Welt real gesehen hat, oder ob sein inneres Bild hier nur eine Idylle phantasiert, ist nicht wichtig. Auf jeden Fall spielt Greiner mit dieser Spannung zwischen dem Wirklichen und dem Idyll, zwischen Realität und ästhetischer Schönheit....